In seiner heutigen Sitzung hat das Sachsen-Anhalt-Forum unter der Leitung von Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff den ersten Fortschrittsbericht zum Paktziel „Berufliche Ausbildung“ verabschiedet. Damit kommt die zwischen den Partnern im Fachkräftesicherungspakt abgestimmte Perspektive auf die grundsätzlichen Herausforderungen im Bereich der „beruflichen Ausbildung“ in Sachsen-Anhalt zum Ausdruck. Zudem wird über die vielfältigen Aktivitäten, mit denen auf die im Bericht identifizierten Herausforderungen seitens der Partner im Fachkräftesicherungspakt reagiert wurde bzw. wird, informiert.

„Ein wichtiges Ziel ist die Stärkung der Zusammenarbeit der Pakt-Partner und in der Konsequenz die weitere Erhöhung der Wirksamkeit der Maßnahmen in der beruflichen Ausbildung. Nur so können wir dem drohenden Fachkräftemangel wirkungsvoll begegnen“, betonte Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff. Ein gemeinsames Verständnis über die gegenwärtige Situation, zukünftige Herausforderungen sowie bereits ergriffene Aktivitäten sei dafür notwendig. Der Fortschrittsbericht solle Ausgangspunkt für die weitere vertiefte Auseinandersetzung in und außerhalb des Pakts in diesem Themenfeld sein.

In dem Zusammenhang hat sich das Präsidium des Fachkräftesicherungspakts auf einen Katalog von 13 Schlüsselmaßnahmen verständigt, von denen ein herausstellungswerter Beitrag im Sinne der „beruflichen Ausbildung“ ausgeht. Hierzu zählen beispielsweise:

  • Mit dem Landesprogramm „Regionales Übergangsmanagement Sachsen-Anhalt“ soll der erfolgreiche Übergang junger Menschen von der Schule in die Ausbildung und später in den Beruf durch die bessere Verzahnung der verschiedenen Unterstützungsangebote und hierfür relevanter Akteure vor Ort systematisch erleichtert werden. Das voraussichtlich noch 2015 in den Landkreisen/ kreisfreien Städten startende Programm wird durch das Ministerium für Arbeit und Soziales federführend umgesetzt und von den relevanten Pakt-Partnern aktiv unterstützt.
  • Mit dem gemeinsam durch die Bundesagentur für Arbeit und das Ministerium für Arbeit und Soziales zu etablierenden Landesprogramm „Assistierte Ausbildung“ können voraussichtlich ab 2016 junge Menschen und ihre Ausbildungsbetriebe unterstützt werden, die ohne diese Hilfestellung mit hoher Wahrscheinlichkeit Probleme beim Start in eine Ausbildung oder beim erfolgreichen Abschluss dieser hätten.
  • In den in diesem Jahr abgeschlossenen Zielvereinbarungen zwischen dem Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft und den Hochschulen im Land wurde verabredet, duale Studienangebote in den Hochschulen entsprechend des Bedarfs der Wirtschaft auszubauen.
  • Das Kultusministerium ermöglicht ab dem kommenden Schuljahr 2015/16 die ergänzende Beschulung von jungen Menschen in allen Landkreisen/ kreisfreien Städten, die eine sogenannte Einstiegsqualifizierung durchlaufen. Bisher war dies nur an ausgewählten Berufsschulstandorten möglich. Voraussetzung ist, dass ein entsprechender Bedarf an diesen Plätzen besteht.
  • Die gewerblichen Kammern in Sachsen-Anhalt haben sich bereit erklärt, gezielt Formate für Qualifizierungsangebote für Studienabbrecher/-innen zu entwickeln und diese umzusetzen.

Zudem verständigte sich das Sachsen-Anhalt-Forum auf ein Positionspapier mit konkreten Handlungsempfehlungen, wie Potentiale von Studienabbrecher/-innen für die regionale Wirtschaft stärker als bisher erschlossen werden können. So sollen Studienabbrecher zukünftig vermehrt über die Chancen einer dualen Berufsausbildung in Sachsen-Anhalt informiert werden. „Dies dient dazu, bei einer beruflichen Umorientierung einen neuen, erfolgversprechenden Weg zu öffnen. Wir halten dies für ein wichtiges Angebot an die jungen Menschen und an die regionale Wirtschaft!“, erläuterte Carola Schaar, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK). In dem Zusammenhang haben sich die gewerblichen Kammern mit Unterstützung des Ministeriums für Arbeit und Soziales und gemeinsam mit Kultusministerium und den Hochschulen bereit erklärt, an standardisierten Verfahren zur Verkürzung der Ausbildungszeiten infolge der Anrechnung von Studienleistungen zu arbeiten.

Kay Senius, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit, sieht die Chance, dass auch künftig genügend Fachkräfte in Sachsen-Anhalt bereit stehen: „Durch die im Mai 2015 von der Bundesagentur für Arbeit und dem Zentrum für Sozialforschung Halle veröffentlichte Fachkräftestudie für Sachsen-Anhalt werden die unterschiedlichen Fachkräftebedarfe der nächsten Jahre für die Regionen und unterschiedlichen Wirtschaftszweige deutlich. Die Untersuchung zeigt uns auch, dass wir die Chance haben, die Herausforderungen der Fachkräftefrage zu lösen. Dafür müssen alle Arbeitsmarktakteure aber die erforderlichen Hebel anpacken.“

Hintergrund:

Das Sachsen-Anhalt-Forum wurde am 6. Februar 2012 gegründet. Es dient als Diskussionsplattform für anstehende Gesetzgebungsverfahren, Projekte und Initiativen. Mitglieder des Forums sind Vertreter/innen der Landesregierung, der Wirtschaft, des DGB, der Bundesagentur für Arbeit sowie der Kommunen. Weitere Informationen zu der heutigen Sitzung des Sachsen-Anhalt-Forums und dazugehörige Dokumente finden sich im Fachkräftesicherungsportal unter http://www.fachkraefte.sachsen-anhalt.de/aktuelles/.