Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff hat heute in der Magdeburger Staatskanzlei Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland an eine Bürgerin und drei Bürger überreicht. Die Orden wurden von Bundespräsident Joachim Gauck verliehen. Haseloff hob bei dieser Gelegenheit die Bedeutung ehrenamtlichen Engagements für das Funktionieren der demokratischen Gesellschaft hervor: „Die hohe gesellschaftliche Bedeutung des Ehrenamtes zeigt sich im jahrelangen Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger, die selbstlos und mit großem Einsatz ganz wesentlichen Anteil am Funktionieren unseres Gemeinwesens haben. Um auch für künftige Herausforderungen in der Gesellschaft gewappnet zu sein, ist es notwendig, generationenübergreifend für das Ehrenamt zu werben.“

 

Geehrt wurden:

Dr. Arwed Walter Grieshaber, Horben (Baden-Württemberg), Verdienstkreuz am Bande

Der 65-jährige Arzt wurde für sein langjähriges Engagement für die Pflege des Novalis-Erbes auf Schloss Oberwiederstedt geehrt. 1994 wurde er Mitglied der Internationalen Novalis-Gesellschaft und gründete 2001 die Stiftung „Wege wagen mit Novalis“. Er stattete sie mit einer hohen Summe aus seinem Privatvermögen aus. Schloss Oberwiederstedt wurde so zu einem einzigartigen Beispiel für die Verknüpfung von kommunalem, staatlichem und privatem Engagement für Kultur in Sachsen-Anhalt und in der gesamten Bundesrepublik. Dank des Engagements von Grieshaber wurde Oberwiederstedt als Forschungsstätte für Frühromantik und als Novalis-Museum in das Blaubuch-Projekt der Bundesregierung aufgenommen. Ein großer Erfolg der Stiftung war die Rückführung der von Hardenbergschen Familiengalerie in das Novalis-Schloss durch die Kulturstiftung der Länder und das Land Sachsen-Anhalt mit Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung. „Sie sind Verfechter einer Erinnerungskultur, die kulturgeschichtliches Bewusstsein erzeugt und verbreitet. Mit Ihrer Stiftung haben Sie dem kulturgeschichtlichen Gedächtnisort in Oberwiederstedt eine Zukunft gegeben“, wandte sich Haseloff an Grieshaber.

 

Wolfgang Schökel, Wernigerode, Verdienstkreuz am Bande

 Der 77-jährige pensionierte Metallbauer wurde für sein langjähriges herausragendes Engagement im Deutschen Roten Kreuz bei der Bergwacht in Wernigerode geehrt. Seit 1953 ehrenamtlich für die Bergwacht tätig, wurde er 1974 Leiter der Bergrettungsdienstgruppe Wernigerode und später Leiter der zentralen Fachkommission des DDR-Bergunfalldienstes.

 1990 war er der erste Vertreter des Deutschen Roten Kreuzes, der sich erfolgreich für die Zusammenarbeit der Bergrettung in Ost- und Westharz einsetzte und ihre Zusammenführung initiierte. Als Vorstandsmitglied im DRK-Kreisverband und Fachberater für die Bergwachtarbeit konnte er seine langjährige Erfahrung  auf Landes- und Bundesebene einbringen. Einen großen Anteil hat er auch an der Nachwuchsgewinnung im Bereich der Bergwacht. Noch heute gehört er als Alterspräsident des DRK Wernigerode zu dessen aktivsten Mitgliedern. Die Technik der Bergwacht wird unter seiner Anleitung gepflegt. „Die Gestaltung und Entwicklung der Bergrettung in Wernigerode war und ist Ihre Berufung. Ihr Engagement und Ihr Wissen sind herausragend“, betonte Haseloff an Schökel gewandt.

 

Ursula Elsbeth Sommer, Halberstadt, Verdienstkreuz am Bande

Die 88-jährige frühere Krankenschwester wurde für ihr langjähriges unermüdliches und selbstloses Engagement in der Hospizbewegung geehrt. Sie wird als „Pionierin“ der Hospizbewegung in Halberstadt gesehen. Palliativmedizin und Hospiztätigkeit praktizierte sie bereits in Zeiten, als diese noch keine gebräuchlichen Begriffe waren. Obgleich hochbetagt unterstützt sie noch heute schwerkranke Menschen. Bei Sterbenden übernimmt sie uneigennützig nächtliche Sitzwachen und gibt den Angehörigen seelischen Beistand. Frau Sommer engagiert sich ehrenamtlich im Hospizverein Regenbogen e.V. Nach 1990 wirkte sie im Deutschen Frauenrat mit. 2008 wurde sie ins Verbundnetz der Wärme aufgenommen. Hier nutzt sie die Möglichkeit, Schülergruppen an das Thema Sterben und Tod heranzuführen. „Sie stellen Ihr gesamtes Leben in den Dienst hilfebedürftiger  Menschen. Sie helfen aufopferungsvoll dort, wo es Ihnen möglich ist. Persönliche Belange erscheinen in Ihrem Leben zweitrangig“, richtete Haseloff lobende Worte an Sommer.

 

Dieter Fritz Steinecke, Magdeburg, Großes Verdienstkreuz

Der 70-jährige ehemalige Landtagspräsident wurde für sein vielfältiges und langjähriges ehrenamtliches Engagement geehrt. Er hat sich beharrlich für Aufbau und Ausgestaltung demokratischer Strukturen in Sachsen-Anhalt eingesetzt. Er war Schirmherr des Netzwerks für Demokratie und Toleranz und Präsident der Europäischen Bewegung Sachsen-Anhalt. Europäische Integration und Völkerverständigung sind ihm Herzensanliegen. Auch als Vorsitzender des Deutsch-Ukrainischen Forums (bis 2013) und als Kuratoriumsmitglied der Deutsch-Polnischen Gesellschaft setzte und setzt er sich für gute Beziehungen zu europäischen Partnerländern ein. Insbesondere jungen Menschen bringt er den europäischen Gedanken nahe. Als Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen-Anhalt im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat er maßgeblich dazu beigetragen, dass sich der Verband vermehrt auch um die Aufarbeitung der deutschen Verbrechen während des Zweiten Weltkrieges an Juden und anderen Bevölkerungsgruppen bemüht. Sein Engagement für die deutsch-jüdische Aussöhnung zieht sich wie ein roter Faden durch all seine Ehrenämter und auch durch sein Wirken als Landtagspräsident. Dafür setzt er sich beispielsweise auch im Förderverein Neue Synagoge Magdeburg und in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Magdeburg ein. „Sie machen sich in herausragendem Maße um das Gemeinwohl verdient und leisten einen bedeutenden Beitrag zur zwischenstaatlichen Verständigung“, würdigte Haseloff Steinecke.