Wo steht Sachsen-Anhalt in 25 Jahren? Dieses Thema bildet den Mittelpunkt des 22. Wittenberger Gespräches, das heute von Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff eröffnet wurde. Haseloff verwies darauf, dass sich bestimmte Entwicklungen in Generationenschritten vollziehen. Der Umbau der Wirtschaft im Osten habe z. B. 25 Jahre gedauert und sei immer noch nicht vollständig abgeschlossen. „Auch heute werden in bestimmten Bereichen die Grundlagen dafür geschaffen, wie wir in 25 Jahren leben. Das gilt besonders unter demografischen Gesichtspunkten. Aber auch Fachkräfte, die wir heute nicht binden können, fehlen morgen der Wirtschaft im Land.“ Das Wittenberger Gespräch solle dazu beitragen, langfristige Entwicklungsstrategien für Sachsen-Anhalt zu finden.

„Der mitteldeutsche Raum war immer eine Region kreativer Köpfe. Und Kreativität ist auch eine Voraussetzung für eine gute Zukunft Sachsen-Anhalts. Dieses Land wird eine gute Zukunft haben, wenn wir weiterhin in unseren Unternehmen Spitzenprodukte herstellen, wenn an den Hochschulen und Forschungseinrichtungen Bahnbrechendes geleistet wird, wenn unsere Schülerinnen und Schüler bei internationalen Tests weiter in der Spitzengruppe sind. Das Land will und wird dazu seinen Beitrag leisten“, so Haseloff.

Neben dem politischen Tagesgeschäft seien Planungen für die Zukunft ein wichtiges Betätigungsfeld der Landesregierung. Der Ministerpräsident verwies u. a. auf die Regionale Innovationsstrategie 2014 – 2020, das Energiekonzept 2030, die Mittelstandsoffensive und Planungsinstrumente wie das Landeskulturkonzept, das Klimaschutzprogramm 2020 oder den Masterplan Tourismus 2020.

Das Land engagiere sich hier auch finanziell, z. B. beim Ausbau der Kinderbetreuung. Haseloff warnte jedoch vor der Vorstellung, künftiger Erfolg sei allein eine Frage des Geldes: „Wo wir 2040 stehen, das ist auch eine Frage der Einstellung. Wie aufgeschlossen sind wir neuen Technologien gegenüber? Wie effektiv und engagiert ist Verwaltungshandeln? Welche Wertschätzung genießt das Unternehmertum? Wie weit ist der Einzelne bereit, sich zu engagieren oder erwartet er Hilfe eher von anderen? Die Antwort auf derlei Fragen entscheidet wesentlich über unsere Zukunft. Und das heißt auch, wir selber entscheiden in erster Linie darüber, wo wir in 25 Jahren in Sachsen-Anhalt stehen werden.“

Vor rund 200 Teilnehmern referieren beim Wittenberger Gespräch Dr. Wolfgang Schüssel, Bundeskanzler a. D. der Republik Österreich, Prof. Dr. Michael Opielka, Wissenschaftlicher Direktor und Geschäftsführer des IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung, Dr. Eberhard Brezski, Analyst der NORD/LB, sowie Prof. Dr. Oliver Holtemöller, Stellvertreter des Präsidenten des Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle.